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Mit dem Grünen Deal wird das Ziel verfolgt, Europa bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent zu machen. Dies geht mit regulatorischen Änderungen einher, die zu einer Transformation des Finanzsektors führen werden. Mélanie Mortier, Senior Portfolio Manager bei der Banque de Luxembourg, äußert sich in der Dezember-Ausgabe des Magazins Paperjam zu den größten Herausforderungen im Bereich nachhaltige Finanzen.

Als Ergänzung zu ihrem Green Deal entwickelt die Europäische Kommission einen Aktionsplan für ein nachhaltiges Finanzwesen.

Wie sehen Sie diese Bestrebungen, Europa zu einem Vorbild in Sachen nachhaltige Investitionen zu machen?

Mélanie Mortier: Der Aktionsplan soll die von der Europäischen Union gesetzten Klimaziele unterstützen. Rund 180 Milliarden Euro an zusätzlichen Investitionen pro Jahr sind erforderlich, damit die EU die im Pariser Klimaabkommen festgelegten Ziele für 2030 erreichen kann, darunter eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 40 %. Mit dem „Grünen Deal“ geht man sogar noch einen Schritt weiter: Mit ihm soll Europa bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent werden. Daher hat die Kommission einen Fahrplan vorgelegt, der sich auf die Empfehlungen der hochrangigen Sachverständigengruppe für ein nachhaltiges Finanzwesen stützt und mit dem die Rolle des Finanzsektors bei der Verwirklichung einer gut funktionierenden Wirtschaft, in der aber auch umwelt- und sozialpolitische Ziele umgesetzt werden, gestärkt werden soll.

Bereits vor einem Jahr, im Dezember 2019, wurden verschiedene Regelungen beschlossen, wie zum Beispiel die Erstellung einer Taxonomie. Wo stehen wir heute? Geht es in die richtige Richtung?

Mélanie Mortier: Die Taxonomie bewirkt eine Strukturierung: Es handelt sich um ein einheitliches EU-Klassifikationssystem, das Investoren und Unternehmen eine gemeinsame Sprache bietet und damit die Beurteilung erleichtern soll, ob eine wirtschaftliche Aktivität ökologisch nachhaltig ist. Durch diesen Rahmen sollen nachhaltige Investments gefördert und die Vergleichbarkeit nachhaltiger Finanzprodukte verbessert werden. Leider werden soziale und die Unternehmensführung betreffende Aspekte (noch) nicht berücksichtigt.

Die Taxonomie konzentriert sich auf die sechs Umweltziele. Die anderen Aspekte, die üblicherweise bei ESG-Anlagen berücksichtigt werden, werden außer Acht gelassen. Mein Hauptkritikpunkt: Es wurde eine Liste von wirtschaftlichen Aktivitäten vorgelegt, doch der Prozess ist binär. Entweder ist die von Ihnen gesuchte Aktivität enthalten oder nicht. Somit gibt es einige Grauzonen. Wie sieht es in Zukunft mit der Finanzierungsfähigkeit von Unternehmen aus, die nicht in die Taxonomie aufgenommen wurden? Es besteht das Risiko, dass das Kapital ausschließlich in die aufgeführten Aktivitäten fließt, auch wenn diese wirtschaftlich nicht sehr solide sind. Dies könnte zulasten anderer, nachhaltigerer Unternehmen gehen, die erst am Beginn der grünen Transformation stehen. Soziale und die Unternehmensführung betreffende Aspekte sollten daher nicht vergessen werden.

Um welche anderen Themen geht es in diesem europäischen Aktionsplan?

Mélanie Mortier: Das wichtigste Thema für die Bankenwelt ist die Transparenz hinsichtlich der Nachhaltigkeit von Anlageprodukten. Die Kunden müssen viel detaillierter über Nachhaltigkeitsaspekte informiert werden. Dabei besteht die Herausforderung darin, nützliche, verständliche und relevante Informationen bereitzustellen und gleichzeitig den Endanleger nicht mit einer Informationsflut zu überfordern. Da ist Fingerspitzengefühl gefragt. Anleger lesen viel, wollen klare Informationen und sind im aktuellen Informationsdschungel zugegebenermaßen manchmal ein wenig verloren. Diese Reform soll neben der Schaffung von Standards zu einer Richtschnur für den im Wandel begriffenen Finanzsektor werden. Durch die größere Transparenz soll zudem dem Phänomen des Greenwashing entgegengewirkt werden.

Weiß die Öffentlichkeit über diese Entwicklungen Bescheid? Gibt es eine Nachfrage nach klimafreundlichen Investitionen?

Mélanie Mortier: Zwar kennen viele Kunden noch nicht alle Möglichkeiten, die sich ihnen in diesem Zusammenhang bieten, wir erhalten jedoch immer mehr Fragen zum Thema verantwortungsvolle und nachhaltige Investments. Es ist auch festzustellen, dass traditionelle Investmentfonds in Zeiten von Turbulenzen, wie wir sie seit Februar/März 2020 erleben, auf europäischer Ebene Abflüsse verzeichneten, während es bei ESG-Strategien Zuflüsse gab. Die Nachfrage ist da und wird in Zukunft weiter steigen.

Wie wählt man, am anderen Ende der Kette, die Unternehmen aus, in die man investiert?

Mélanie Mortier: Für die Banque de Luxembourg ist das Thema nicht neu. Wir sind langfristige Investoren: Bei unseren Analysen nehmen wir die verschiedenen Aspekte der Unternehmen in den Blick, um alle bestehenden Risiken, darunter natürlich auch die ESG-Risiken, beurteilen zu können. Wir konzentrieren uns auf Qualitätsunternehmen, die über Wettbewerbsvorteile verfügen. Der europäische Aktionsplan wirkt als Beschleuniger, da er ein strukturierteres Vorgehen ermöglicht und eine größere Transparenz für den Endanleger vorschreibt.

Das gesamte Interview (in Französisch) finden Sie im Dossier Steuern und Recht der Dezember-Ausgabe des luxemburgische Wirtschafts- und Finanzmagazin "Paperjam”.

 

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