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Bis vor kurzem schienen nachhaltige und verantwortliche Anlagen vornehmlich auf das Thema Umweltschutz abzuzielen. Auch in der europäischen Gesetzgebung zur Förderung der nachhaltigen Finanzwirtschaft ging es zunächst vor allem um den Schutz der Umwelt.

Die aktuelle Covid-19-Krise hat jedoch neue Fragestellungen aufgeworfen und gezeigt, dass die Themen Nachhaltigkeit, Wirtschaft und Ertragskraft der Unternehmen eng miteinander verbunden sind.

E wie Environment: Welche Folgen hat die Krise für die Umwelt?

Die Auswirkungen der Krise sind zweigeteilt: Kurzfristig wirken der Lockdown und die Beschränkungen positiv auf die Umwelt: CO₂-Emissionen sind gesunken, die Luft- und Gewässerqualität hat sich verbessert und anderes mehr. Der sogenannte „Erdüberlastungstag“, der Tag des laufenden Jahres, an dem unser ökologischer Fußabdruck die Kapazitäten des Ökosystems unseres Planeten übersteigt, hat sich in diesem Jahr in Folge der schwächeren Wirtschaftstätigkeit um drei Wochen nach hinten verschoben.

Die längerfristigen Auswirkungen auf die Umwelt werden jedoch vom Wiederaufschwung der Wirtschaft abhängen und davon, wie grün dieser wird. Die Europäische Union will den Klimaschutz vor allem mit Hilfe des sogenannten „Green Deal“ umsetzen. Darüber hinaus knüpfen manche Mitgliedsstaaten ihre Hilfen für Unternehmen an Auflagen zur Senkung von CO₂-Emissionen: Die französische Regierung beispielsweise bindet ihre Unterstützung der Fluggesellschaft Air France an Zusagen zur Rentabilitätssteigerung und zur CO₂-Reduktion. In den USA hingegen könnten die Ziele zur Minderung der Treibhausgas-Emissionen zurückgenommen werden.

S wie Social: Droht eine Krise der Gesellschaft?

Die Covid-19-Krise hat weitreichende soziale Problemfelder aufgezeigt: Der Schutz von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern gehört ebenso dazu wie die Sicherung von Lieferketten und die Wertschätzung des Faktors Mensch. Unternehmen, in denen Arbeitnehmerschutz und sozialer Dialog eine größere Rolle spielen, konnten ihren Betrieb in der Krise leichter aufrecht erhalten.

Einige von ihnen gingen sogar noch weiter: Danone, ein Unternehmen, das auch im Nachhaltigkeitsfonds BL Sustainable Horizon der Banque de Luxembourg vertreten ist, gab seinen Beschäftigten eine Arbeitsplatzgarantie und verkürzte die Zahlungsziele für seine Zulieferer. Die Unterstützung der Zulieferer zeigt einen ganzheitlichen Ansatz, der alle Akteure des Unternehmens mit einbezieht. Eine Untersuchung von JP Morgan über die Auswirkungen der Covid-19-Krise auf ESG-Anlagen1 zeigt: Immer mehr Anleger beurteilen Unternehmen heute auch nach sozialen Gesichtspunkten.

G wie Governance: Welche Auswirkungen hat die Krise auf die Unternehmensführung?

Auch die Unternehmensführung spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle, wie die Debatten um Managergehälter und die Ausschüttung von Dividenden in Krisenzeiten zeigen. In einigen Ländern haben die Regierungen empfohlen, die Zahlung von Dividenden in der derzeitigen Krise auszusetzen. Manche erwarten, dass die Krise den Kapitaleinsatz von Unternehmen dauerhaft verändern und ihre Verantwortung gegenüber Beschäftigten und der Gesellschaft insgesamt stärken wird.

Ein „positiver“ Effekt der Covid-19-Krise auf nachhaltiges und verantwortliches Investieren könnte jedenfalls sein, dass die Faktoren Umwelt, Soziales und Unternehmensführung zu einem besseren Gleichgewicht finden. Mit dem potenziellen Wegfall von Millionen von Arbeitsplätzen ist gleichzeitig ein starker Anstieg der sozialen Ungerechtigkeiten sehr wahrscheinlich.

Haben Nachhaltigkeitsfonds in der Krise stärker gelitten als andere?

Für die Branche der nachhaltigen und verantwortlichen Investments, die ja seit einigen Jahren stark gewachsen ist, stellt die aktuelle Krise den ersten „Stresstest“ dar. Es ist interessant festzustellen, dass sich weltweite Aktienindizes mit hohem ESG-Rating (MSCI World AC SRI) seit Jahresbeginn durchaus widerstandsfähig gezeigt haben: So übertraf der MSCI WORLD AC SRI den weltweiten Aktienindex MSCI WORLD AC (ohne ESG-Rating) um 2,5 %; damit bestätigt er den Trend der vergangenen Jahre. Der betrachtete Zeitraum ist allerdings kurz und die Aussagekraft nur beschränkt.

In einer ausgeprägten Krisenphase scheint sich die Anwendung von ESG-Kriterien jedenfalls positiv auf die Performance auszuwirken. Dies mag daran liegen, dass ESG-Anlagen ihren Schwerpunkt auf hochwertige Wachstumswerte legen. Zudem berücksichtigen sie bei der Unternehmensanalyse Risikofaktoren, die die Unternehmen widerstandsfähiger im Falle von exogenen Schocks machen.

Europäische Anleger haben in dieser turbulenten Phase durchaus Interesse an ESG-Anlagen gezeigt: Während es bei den „klassischen“ Fonds im Februar und März zu größeren Kapitalabflüssen kam, konnten Fonds mit ESG-Ansatz im 1. Quartal 2020 sogar Kapitalzuflüsse verzeichnen2.

1 JP Morgan Cazenove, „Stay safe and think long term“, Europe Equity Research, 30. März 2020

2 Morningstar Manager Research, „European Sustainable Funds Prove Resilient Amid Covid-19 Sell-Off“, April 2020

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Mehr über unseren Anlageansatz im Video mit Mélanie Mortier, Senior Portfolio Manager:

 
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