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Die durch katastrophales Bilanzmanagement verursachte Insolvenz der amerikanischen Silicon Valley Bank (SVB) und der Niedergang der Credit Suisse mit der darauf folgenden Übernahme durch die UBS haben an den Märkten seit Beginn des Monats heftige Kursverluste von Finanzaktien und allgemein von zyklischen Titeln ausgelöst.

Die Anlegerinnen und Anleger befürchten, dass sich die Aussichten für die Wirtschaft deutlich verschlechtern, was zwangsläufig die Unternehmensgewinne insbesondere in konjunktursensiblen Branchen belasten würde. Die Angst vor einer Rezession spiegelt sich auch im Verfall der Rohstoffpreise: Der Ölpreis ist seit Beginn der Krise um über 10 % zurückgegangen.

Werden die Notenbanken eingreifen?

Auch an den Geld- und Anleihemärkten hat die Bankkrise für Turbulenzen gesorgt. Die Erwartungen bezüglich der Leitzinsen (die von der Federal Reserve am 22. März um weitere 25 Basispunkte angehoben wurden) wurden deutlich nach unten korrigiert. Die Märkte gehen nun davon aus, dass der Zinssatz bis knapp unter die Marke von 5 % steigen dürfte (vor der SVB-Insolvenz waren es 5,5 %) und dass es zu Beginn des zweiten Halbjahres zu ersten Zinssenkungen kommen wird. Auch die langfristigen Zinsen sind auf einem Abwärtskurs: Die zehnjährigen US-Zinsen sind seit ihren jüngsten Höchstständen um 40 Basispunkte gesunken, die 30-jährigen US-Zinsen um 50 Basispunkte.

Sorgen um die Wirtschaft

Der Abwärtstrend in allen Segmenten der Zinskurve mag überzogen scheinen, spiegelt aber auch die Sorge wider, die Bankturbulenzen könnten die Konjunktur gefährden. Die Kreditvergabebedingungen – und die geldpolitischen Rahmenbedingungen insgesamt – drohen sich deutlich zu verschlechtern und die ohnehin schon fragile Wirtschaftsdynamik weiter zu schwächen. Die Aufgabe der Zentralbanken ist um so schwieriger, als die Inflation weiterhin ein Thema bleibt.

Inflation als Priorität in der Eurozone

In der Eurozone zog die Kerninflation, d. h. die Teuerung ohne Energie, Ernährung, Alkohol und Tabak, im Februar weiter an (+5,6 % im Vorjahresvergleich). Angesichts dessen hob die EZB den Refinanzierungssatz um weitere 0,5 % auf nun 3,5 % an; damit liegt der wichtigste Leitzins der Notenbank nun auf seinem höchsten Stand seit 2008. Die europäischen Währungshüter äußerten sich jedoch noch nicht zu möglichen nächsten Schritten; vielmehr wollen sie zunächst die Risiken für das europäische Finanzsystem bewerten und die weitere Entwicklung der Konjunkturdaten verfolgen.

Zentralbanken als Retter des Finanzsystems

In diesem turbulenten Umfeld reagierten die Notenbanken prompt, um eine Ansteckung wie in der Finanzkrise von 2008 zu vermeiden. Um das Bankensystem als ganzes zu schützen und zu stabilisieren, stellten sie den Geldhäusern, die durch den Abzug von Einlagen ins Trudeln geraten waren, die notwendige Liquidität zur Verfügung. Der enorme Umfang dieser Soforthilfemaßnahmen verdeutlicht, mit welchem Pragmatismus die Notenbanken vorgehen.

Umsichtig anlegen, Qualitätswerte bevorzugen

Die stark gestiegene Risikoaversion und die wachsenden Sorgen mit Blick auf den Konjunkturzyklus sprechen für einen umsichtigen Anlageansatz. Die Konzentration ausschließlich auf Qualitätspapiere scheint uns daher das Gebot der Stunde. Der qualitätsorientierte Anlagestil ist dabei stark im Kommen: Er erzielte seit Jahresbeginn eine deutlich bessere Performance als der Value-orientierte Anlagestil und konnte einen Teil seines Rückstands von 2022 wieder aufholen.

Damien Petit, Vertriebsdirektor Private Banking bei der Banque de Luxembourg