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Der folgende Artikel, der das Leben von Großherzogin Charlotte nachzeichnet, ist der ersten Ausgabe von „les cahiers" entnommen, dem neuen Themenheft der Banque de Luxembourg. Mit diesem neuen Magazin laden wir unsere Leserinnen und Leser ein, sich einem interessanten Thema unter verschiedenen Blickwinkeln zu nähern. Die erste Ausgabe widmet sich dem Großherzogtum Luxemburg. Wir möchten dabei einen etwas anderen Blick auf unser Land werfen, das oft auf seine Rolle als Finanzplatz reduziert wird. Weitere Artikel folgen in wöchentlichem Turnus auf www.banquedeluxembourgnews.com.

Die Gedenkfeier zur 175-jährigen Unabhängigkeit Luxemburgs gibt Anlass, eine Symbolfigur zu würdigen, die ihr Leben der Stärkung der Identität ihres Landes und der Bewahrung seiner Unabhängigkeit gewidmet hat: Großherzogin Charlotte. Diese bemerkenswerte Frau, Landesmutter und außergewöhnliche Staatschefin, Widerstandskämpferin und gewissermaßen „amerikanische Verbindungsoffizierin" während des Zweiten Weltkriegs, hat einen unauslöschlichen Abdruck in den Herzen der „Ihren" und der Geschichte ihres Landes hinterlassen und ihr Schicksal untrennbar mit dem Luxemburgs verknüpft.

Man kann an die Vorsehung glauben oder an die Gesetze von Zufall und Glück. Dennoch müssen wir feststellen, dass Generationen von Luxemburgern seit 1839 ihr Schicksal fest in die Hand genommen haben. Dieses Verdienst ist umso größer, als unser Temperament von Natur aus eher reserviert ist. Die Geschichte und das gemeinsame Schicksal haben die Nation gezwungen, sich in den Zeitläuften zu behaupten. Heute können wir sagen, dass dies ein Erfolg war", so Großherzog Henri in der akademischen Festsitzung zur 175-jährigen Unabhängigkeit des Landes am 29. April 2014.

Das eigene Schicksal und das des ganzen Landes in die Hand nehmen - dieser Aufgabe hat Großherzogin Charlotte die 45 Jahre ihrer Regentschaft gewidmet. Sie wollte, wie sie am Tag ihrer Krönung formulierte, „mit den Freuden und Schmerzen ihres Volkes leben" und verband ihr eigenes Schicksal mit dem ihres Landes. Ihre Worte klingen bis heute wie eine Vorahnung...

Nur vergleichbar mit Charles de Gaulle

„Ihre Geschichte ist einzigartig", unterstreicht François Heisbourg, Präsident des International Institute for Strategic Studies (IISS) und des Geneva Center for Security Policy (GCSP). „Es gibt nur wenige Menschen, die zum ‚Retter ihres Landes‘ werden, und das zu zwei ganz unterschiedlichen Zeitpunkten der Geschichte. Die einzige Parallele, die sich in der modernen Geschichte findet, ist Charles de Gaulle."

Kurz nach dem Ersten Weltkrieg leidet das Land unter schweren separatistischen Spannungen: Der eher laizistische Süden ist stark von französischen sozialistischen und republikanischen Ideen beeinflusst, der ländliche, konservative und streng katholische Norden wendet sich eher seinen belgischen Nachbarn zu. Die politische Krise, die am 9. Januar 1919 mit der Revolte der Freiwilligenarmee ausbricht, läutet das Ende der Herrschaft von Großherzogin Marie-Adelheid, der älteren Schwester Charlottes, ein. Einer Herrschaft, die überschattet ist durch Einmischung in die Innenpolitik und ein als zweifelhaft bewertetes Verhalten während der deutschen Besatzung, wodurch es zum Ausschluss Luxemburgs vom Versailler Vertrag kommt, der am 28. Juni 1919 von den Alliierten unterzeichnet wird. Mit nur 23 Jahren und ohne jegliche Vorbereitung auf ihre Rolle folgt ihr Charlotte auf den Thron. Die zurückhaltende junge Frau, von einnehmender Schönheit und elegantem Auftreten, legt vom ersten Tag ihrer Regentschaft an bemerkenswerte Entschlossenheit und Mut an den Tag.

Verlobt mit ihrem Cousin, dem Prinzen Felix von Bourbon-Parma, der als Habsburger im Krieg auf Seiten der österreichischen Armee gekämpft hatte, verteidigt Großherzogin Charlotte ihre für sie höchst persönliche Entscheidung und setzt ihre Hochzeit einige Monate später durch. Um den inneren Frieden rasch wiederherzustellen, beschließen sie und ihre Regierung, ein Referendum abzuhalten, bei dem zum ersten Mal auch Frauen und die unteren Volksschichten abstimmen dürfen. Im Doppelreferendum entscheidet das luxemburgische Volk über die Beibehaltung der konstitutionellen Monarchie (die mit 77,8 % eine breite Zustimmung findet) sowie, nach dem Austritt aus dem Deutschen Zollverein, über die wirtschaftliche Orientierung des Landes in Richtung Belgien oder Frankreich. Letzteres, obwohl klar bevorzugt, lehnt aus Angst vor der Konkurrenz der mächtigen Luxemburger Stahlindustrie ab, was bei einem Teil der Bevölkerung alle republikanischen Sympathien vertreibt. Mit der Legitimation der Monarchie und der wieder gefestigten Unabhängigkeit des Landes zieht erneut politische Ruhe ins Land ein. Für François Heisbourg „rettet Großherzogin Charlotte die Unabhängigkeit des Landes hier gewissermaßen zum ersten Mal".

Weitblick, Überzeugungen und uneingeschränktes Engagement

Aber erst während des Zweiten Weltkriegs und der deutschen Besatzung zeigen sich der außergewöhnliche Charakter Großherzogin Charlottes, ihr Weitblick, ihre Überzeugungen, ihr uneingeschränktes Engagement für ihr Vaterland und ihre Fähigkeit, zu mobilisieren und zu verbinden, in vollem Maße. Ab 1939 kreisen die Deutschen Luxemburg ein. Widerstand leisten, koste es was es wolle. Und wenn nötig ins Exil gehen, um die Entscheidungsfreiheit zu bewahren. Später wird sie ganz nüchtern sagen: „Mein Herz sagte nein, aber mein Verstand sagte ja".

In der Nacht vom 9. auf den 10. Mai 1940, während die deutschen Truppen im Begriff sind, die Grenzen zu überschreiten und die Neutralität des Landes zu verletzen, gelingt es ihr mit Hilfe der französischen Truppen, in Begleitung ihrer Kinder und eines Großteils der Mitglieder ihrer Regierung, das Land heimlich zu verlassen. So beginnt eine lange und beschwerliche Reise, die sie nach Paris führt, dann nach Spanien, Portugal, London und schließlich in die USA, dann erneut nach London.

Das fünf Jahre dauernde Exil nutzt sie dazu, unermüdlich gegen die Nazi-Bedrohung und für die Wiedererlangung der Unabhängigkeit ihres Landes zu kämpfen. Sie hat sich dem Widerstand angeschlossen und nutzt alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel, damit ihre Stimme, und somit die aller Luxemburger, Gehör findet. Seit Herbst 1940 arbeitet sie mit ihrer Regierung Ansprachen in luxemburgischer Sprache aus, um „die Ihren" zum Widerstand gegen die Nazi-Besatzung zu ermahnen. Sie wird diese selbst vor den Mikrofonen der BBC verlesen. Diese Radio-Ansprachen, die sie stets mit „Léif Lëtzebuerger", „Liebe Luxemburger", beginnt, sind Zeichen der Zuneigung zu ihrem leidenden Volk, „ihrer Familie", und Trost und Hoffnung für die jungen Widerstandskämpfer, die beschützt von einer Medaille mit ihrem Abbild am Herzen in den Kampf ziehen.

Goodwilltour

Zweifellos klang in ihrer sanften und festen Stimme auch der Schmerz über die erzwungene Trennung von ihrem Land mit, aber auch von ihren Kindern und ihrem Ehemann, die im amerikanischen Exil lebten. Als sie später auf Initiative von Präsident Roosevelt auf amerikanischem Boden wieder zu ihnen stößt, bricht sie zu einer unglaublichen Goodwilltour auf, um die amerikanischen Meinungsführer für sich zu gewinnen. Getragen von dem besonderen Interesse Roosevelts an Luxemburg (der Wurzeln im Land zu haben glaubt) und der Notwendigkeit, Amerika davon zu überzeugen, in den Konflikt einzugreifen, setzt sie ihre ganze Ausstrahlung und Überzeugungskraft ein und macht sogar Hollywood-Stars zu ihren Fürsprechern, um das amerikanische Volk für die dramatischen Ereignisse in Europa und insbesondere in Luxemburg zu sensibilisieren. „So hatten die Luxemburger Zugang zum Weißen Haus, was Niederländer, Belgier oder Dänen nicht hatten", erklärt Heisbourg.

„Später, als Roosevelt über die Zukunft Europas nachdachte, wusste er, wo sich Luxemburg auf der Landkarte befand, was damals nicht unbedingt selbstverständlich war! Das Bemerkenswerte der Großherzogin waren nicht nur ihre richtigen Entscheidungen für ihre Familie im engeren Sinne. Sie verstand es, von ihrem Platz als konstitutionelle Monarchin, also aus einer Position ohne eigene Macht heraus, die komplexe politische, soziale und wirtschaftliche Situation ihres Landes zu meistern." Das Land Luxemburg, wie es heute ist – ein kleines Land, aber ein großer Staat, unabhängig und souverän – hat seinen Platz im Konzert der Nationen und weiß, dass es dieser großen Frau sehr viel verdankt. In den 45 Jahren ihrer Herrschaft hat sie es verstanden, sich eine dreifache Legitimation zu verschaffen: durch den Volksentscheid, durch die Geschichte und durch den Dienst, den sie ihrer Nation erwiesen hat. Eine große Persönlichkeit.

Nächste Woche lesen Sie: Stéphane Bern: „Ich fühle mich als Luxemburger."

Foto: © Saint-Paul - Bearbeitung Carlo Hommel

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