Luxemburg
14, boulevard Royal, L-2449 Luxemburg
 
Montag bis Freitag
8.30 Uhr bis 17.00 Uhr
 
Brüssel
Chaussée de La Hulpe, 120 - 1000 Brüssel
Flandern
Kortrijksesteenweg 218 - 9830 Sint-Martens-Latem
 
Montag bis Freitag
8.30 Uhr bis 16.30 Uhr

Nachhaltiges und verantwortliches Investieren verbreitet sich immer mehr – und dürfte in den kommenden Jahren weiter wachsen. Für die Finanzakteure bringt dies zahlreiche Herausforderungen: Wie können sie ihren Kundinnen und Kunden Lösungen anbieten, die den Erwartungen in Bezug auf Nachhaltigkeit entsprechen? Aufklärung und Transparenz sind hier die Schlüsselwörter.

Unsere Gesellschaften machen seit mehreren Jahren eine tiefgreifende Veränderung durch. In wissenschaftlichen Studien oder Expertenwarnungen wird regelmäßig deutlich: Der Klimawandel und die damit zusammenhängenden Naturkatastrophen werden inzwischen täglich diskutiert. Diese Thematik, die zudem beflügelt wird von der regulatorischen Entwicklung, ist bis in die Finanzwelt durchgedrungen. „Die Verbreitung der nachhaltigen und verantwortungsvollen Finanzwirtschaft in den vergangenen Jahren hängt tatsächlich damit zusammen, dass sich die Gesellschaft mit Blick auf die Frage des Klimawandels verändert“, betont Mélanie Mortier, Senior Portfolio Manager bei der Banque de Luxembourg. „Sie ist jedoch auch eine Folge dessen, dass andere wichtige Themen in den Vordergrund getreten sind: die Gleichstellung der Geschlechter bzw. von Menschen unterschiedlicher Herkunft, die zum Beispiel durch die Bewegung ,Black Lives Matter‘ Auftrieb erhalten hat.“

Nachhaltige Finanzwirtschaft – befeuert durch die Krisen

Zu den anderen Faktoren, die die Entwicklung der nachhaltigen Finanzwirtschaft beeinflusst haben, zählt natürlich die Corona-Pandemie. „Diese Krise hat eine ganze Reihe von Problemen unseres Wirtschaftsmodells aufgezeigt, dass wir beispielsweise bestimmte Produkte aus fernen Ländern beschaffen müssen“, hebt Mélanie Mortier hervor. „Außerdem ist der Schutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Krise ein wesentliches Thema geworden. Die Unternehmen, die hier die notwendigen Maßnahmen getroffen haben, haben sich im Übrigen besonders gut entwickelt.“

Der Russisch-Ukrainische Krieg ist eine weitere Krise, die den Kampf gegen den Klimawandel noch verstärken und eine unerwartete Rolle in der Entwicklung der nachhaltigen Finanzwirtschaft spielen könnte. Er stellt nicht nur eine humanitäre Krise dar, sondern machte die Abhängigkeit der europäischen Länder bei der Energieversorgung deutlich – vor allem von Russland. „Heute fragen sich die Staaten nicht mehr nur, was sie gegen den Klimawandel tun können, sondern auch, woher ihre Energie stammt“, erläutert die Senior Portfolio Managerin der Banque de Luxembourg und weist auf das Maßnahmenpaket der Europäischen Kommission „REPowerEU“ hin, mit dem sich Energieeinsparungen umsetzen und unsere Energiequellen streuen lassen. Gute Karten haben in diesem Kontext die Unternehmen, die alternative Energien anbieten und umweltfreundlichere, lokale Lösungen entwickeln.

ESG-Kriterien in die Finanzanalyse einbeziehen

Mit der ESG-Analyse der Unternehmen lässt sich die Fundamentalanalyse der Finanzkriterien vervollständigen. „Es ist immer unsere Absicht, das Unternehmen, in das wir investieren, wirklich zu verstehen und vor allem sämtliche Risiken zu erfassen, denen die Firma ausgesetzt ist“, so Mélanie Mortier. „Heute ist unbestritten, dass wir durch Einbeziehung der ESG-Risiken die Unternehmen, in die wir investieren, noch umfassender verstehen können.“

Während früher ein deutlicher Schwerpunkt auf die – leichter quantifizierbaren – ökologischen Aspekte gelegt wurde, stellen wir jetzt fest, dass der soziale Aspekt immer mehr an Bedeutung gewinnt. „Das hängt natürlich mit der Entwicklung der Gesellschaft zusammen“, fährt Mélanie Mortier fort. „Heute fordern die Menschen nicht nur einen ökologischen Wandel – dieser soll auch gerecht und fair sein.“

Harmonisierung ist notwendig

Die Analyse der ESG-Kriterien basiert teilweise auf den ESG-Bewertungen der Unternehmen. Allerdings werfen die etliche Fragen auf, da die Rating-Systeme zwischen den einzelnen Datenanbietern nicht harmonisiert sind. Dies bereichert zwar die Diskussion, ist jedoch hinsichtlich Transparenz und Methodik der Ratings problematisch. „Tesla wurde aus dem S&P 500 ESG-Index gestrichen, weil mehrere Faktoren das Unternehmen disqualifizieren (keine Strategie zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes, Fälle von Rassismus und schlechter Arbeitsbedingungen usw.). Der andere große Datenanbieter MSCI war hingegen der Ansicht, dass die Nachhaltigkeit der Tesla-Erzeugnisse schwerer wiegt als diese anderen Überlegungen“, so Mélanie Mortier weiter.

Viele regulatorische Änderungen in diesem Jahr

Die Europäische Kommission will mit einem ambitionierten Plan den Übergang begünstigen und insbesondere mithilfe von Vorschriften die Kapitalströme in nachhaltige Geldanlagen steuern, die Transparenz verbessern und die Nachhaltigkeit in das Risikomanagement integrieren. Schon 2021 brachte die EU-Offenlegungsverordnung SFDR hier einen ersten wichtigen Schritt mit sehr klaren Auswirkungen. „Im März 2021 fielen 20 % der europäischen Fonds unter Artikel 8 oder 9 der EU-Offenlegungsverordnung, weil sie mehr oder weniger starke ökologische oder gesellschaftliche Merkmale fördern. Ende 2021 waren es bereits 40 %. Der Markt passte sich also den neuen Regeln und Vorschriften an, und dieser Trend dürfte anhalten“, schätzt Mélanie Mortier.

Klarheit für die Anlegerinnen und Anleger

Auch für Privatbanken gibt es viele Veränderungen, die Transparenz und Aufklärung der Kundschaft erforderlich machen. „Die Herausforderung besteht darin, das Gespräch mit unseren Kundinnen und Kunden zu suchen und ihre Vorlieben im Bereich Nachhaltigkeit zu sammeln, damit wir dies bei der Verwaltung ihrer Portfolios berücksichtigen können.“ Ein solches Gespräch schafft die Gelegenheit, nachhaltige und verantwortungsvolle Produkte zu erklären. Auch mit einem Reporting über die Investments lässt sich größtmögliche Transparenz gewährleisten. Daher besteht die Herausforderung darin, hilfreiche, verständliche und aussagekräftige Informationen zu liefern. „Als engagierter Akteur im Wirtschaftsleben begleiten wir unsere Kundinnen und Kunden mit einem verantwortungsvollen Ansatz bei ihren Anlagen. Wir bieten ihnen nachhaltige und verantwortungsvolle Lösungen, um ein positives Zeichen in Gesellschaft und Umwelt zu hinterlassen“, schließt die Expertin der Banque de Luxembourg.


Weitere Informationen

Melanie Mortier
Senior Portfolio Manager
Abonnieren Sie den monatlichen Newsletter
Erhalten Sie jeden Monat Analysen zu den Finanzmärkten und die aktuellen Nachrichten der Bank.

Lesen Sie unseren neuesten Newsletter Lesen Sie unseren neuesten Newsletter