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Die weltweite Pandemie hat das Interesse institutioneller und privater Anlegerinnen und Anleger an den Themen Ökologie, Soziales und Unternehmensführung (ESG) weiter verstärkt. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs haben die steigenden Rohstoffpreise und Energiekosten die Rahmenbedingungen für nachhaltige und verantwortliche Anlagen grundlegend verändert.

Seit nunmehr drei Jahren bietet die Bank ein Vermögensverwaltungsmandat mit sozial verantwortlichen Fonds. Aus diesem Anlass erläutert Mélanie Mortier, Senior Portfolio Manager, die großen Meilensteine der Entwicklung und gibt einen Ausblick auf die kommenden Monate.

Vor gut drei Jahren wurde das Vermögensverwaltungsmandat mit sozial verantwortlichen Fonds aufgelegt. Seither haben eine Pandemie und eine geopolitische Krise die Weltlage geprägt. Wie haben sich die ESG-Märkte und -Aktien in diesen Jahren entwickelt?

Drei Jahre sind eigentlich kein langer Zeitraum. Und doch waren es drei außergewöhnliche Jahre, in denen wir eine Pandemie und einen Krieg in Europa erlebt haben – zwei Krisen, die leider noch nicht überstanden sind.

Im diesem Zeitraum* erzielten Aktien, die ESG-Kriterien berücksichtigen (abgebildet im MSCI ACWI SRI Net Total Return), eine Performance, die über 12 % höher lag als weltweite Aktien insgesamt (MSCI ACWI Net Total Return). Diese Outperformance ist auch dadurch bedingt, dass ESG-Aktien häufig wachstumsorientiert und hochwertig sind und viele aus den Branchen Technologie und Gesundheitswesen stammen. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Einbeziehung von ESG-Kriterien jederzeit und über jeden beliebigen Zeitraum überdurchschnittliche Performance bringt.

2021 waren diejenigen Branchen besonders erfolgreich, in denen ESG-Faktoren eine weniger große Rolle spielen, wie z. B. die Energiebranche. Manche Themen entwickelten sich in den vergangenen drei Jahren besonders günstig, so z. B. Energieeffizienz und Elektrifizierung oder auch das Thema Wasser und Umwelt im Allgemeinen.

Ein ESG-Ansatz kann zum einen dazu beitragen, bestimmte Risiken zu reduzieren, weil Faktoren mit einfließen, die helfen, das Unternehmen besser zu verstehen. Zum andern kann er Kaufgelegenheiten bei innovativen und zukunftsfähigen Unternehmen eröffnen.

Haben Sie seit Beginn der Pandemie eine Veränderung im Verhalten der Anlegerinnen und Anleger beobachtet?

In der Tat erleben wir seit zwei Jahren ein zunehmendes Interesse an Anlagestrategien, die sowohl finanzielle wie auch nichtfinanzielle Faktoren berücksichtigen.

Anders als manche Studien zeigen, konzentriert sich das Interesse bei uns jedoch weniger auf eine besonders junge oder weibliche Kundschaft, sondern ist quer über alle Kundengruppen verteilt.

Hat sich durch den Krieg in der Ukraine etwas an diesem Interesse oder der Vorliebe für bestimmte Sektoren geändert? Könnte dieser Krieg Auswirkungen auf ESG-Anlagen haben?

Die russische Invasion in die Ukraine ist vor allem eine humanitäre Krise, aber sie wirft für Anlegerinnen und Anleger in den ESG-Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung auch viele Fragen auf.

Staaten sind gezwungen, ihre Energiepolitik völlig neu zu denken: Um insbesondere ihre Abhängigkeit von Russland zu verringern, müssen sie stärker auf lokale und erneuerbare Energiequellen setzen.

Der Schwerpunkt hat sich für sie also verschoben: Neben dem Kampf gegen die Erderwärmung sind auch energiepolitische Sicherheit und Unabhängigkeit zu zentralen Themen geworden – das zeigt die Sorge um steigende Energiekosten und die Abhängigkeit von russischem Gas.

Diese Entwicklung schlägt sich auch in den Einschätzungen der Anlegerinnen und Anleger nieder und sorgt für kontroverse Debatten um Sektoren wie Verteidigung und Rüstungsproduktion, aber auch um die Kohleindustrie.

Sollte es aufgrund der russischen Invasion zu Anlagerestriktionen kommen, die sich dauerhaft auf ESG-Anlagen auswirken, könnte dies der Energiewende vor allem in Europa einen Schub verleihen. Bis sie konkret Gestalt gewinnt, könnte es dagegen noch einige Jahre dauern.

 

Inwiefern unterscheiden sich Ihr Ansatz bei nachhaltigen Anlagen von anderen?

Unsere Welt ist im Wandel, ökologische und gesellschaftliche Fragen gewinnen immer mehr an Bedeutung. Vor diesem Hintergrund wird es immer wichtiger, dass wir unserem Handeln Sinn und Wert geben. Als verantwortliche Bank begleiten wir unsere Kundinnen und Kunden mit einem verantwortungsvollen Anlageansatz, um finanzielle Performance mit gesellschaftlichem und ökologischem Einsatz zu verbinden.

Wir investieren in Unternehmen, die den Übergang zur Welt von morgen aktiv mitgestalten. Dabei wollen wir alle Parameter eines Unternehmen verstehen, um seine Risiken bewerten zu können. Und wir beziehen die ESG-Kriterien Umwelt, Soziales, Unternehmensführung in unsere Entscheidungsprozesse und Investmentanalysen mit ein.

Würden Sie sagen, dass sich neue Trends abzeichnen?

Historisch gesehen, hat der Aspekt Umwelt bei ESG-Anlagen schon immer eine besondere Aufmerksamkeit erfahren, denn er lässt sich viel einfacher messen und quantifizieren: Treibhausgasemissionen oder die Abfallproduktion kann man verhältnismäßig leicht beziffern.

Ein anderer Grund mag sein, dass die Folgen des Klimawandels zunehmen und für die Menschen in den Industriestaaten sichtbarer werden: Extreme Klimaphänomene wie Überschwemmungen, Dürreperioden, Unwetter etc. häufen sich und bringen Menschen zum Nachdenken.

Dieses Umdenken spiegelt sich auch in der europäischen Gesetzgebung wider, der so genannten Taxonomie, in der Finanzanlagen entsprechend ihrer Nachhaltigkeit kategorisiert werden. Sie ist bisher im Wesentlichen eine „grüne Taxonomie“ und konzentriert sich zunächst auf Umweltfragen, vor allem auf die Abmilderung der Folgen des Klimawandels und die Anpassung an ihn. Wir stellen fest, dass sich der Begriff der nachhaltigen und verantwortlichen Anlagen nun deutlich in Richtung seiner sozialen Komponente verschiebt.

Auch die EU-Taxonomie wird soziale Aktivitäten immer mehr berücksichtigen. So werden Kriterien wie die Achtung der Menschenrechte oder gleiche Entlohnung von Männern und Frauen künftig Bestandteil von verpflichtenden Reportings. Diese sozialen Kriterien sind allerdings weit weniger leicht zu messen oder zu vergleichen, was möglicherweise zu subjektiveren Einschätzungen führt.

Das wachsende Bewusstsein für soziale Kriterien ist sehr zu begrüßen. Die Notwendigkeit einer ökologischen Kehrtwende ist unbestritten, doch auch die Notwendigkeit einer Umkehr hin zu mehr sozialer Gerechtigkeit wird immer mehr zum Thema.

Welche großen Herausforderungen sehen Sie für 2022?

Ein Meilenstein 2021 war das Inkrafttreten der sogenannten Offenlegungsverordnung SFDR (Sustainable Finance Disclosure Regulation). Sie soll Kapitalflüsse in nachhaltige Anlagen lenken und Nachhaltigkeit zu einem Kriterium im Risikomanagement machen.

Die Verantwortlichen in der Vermögensverwaltung sind dadurch veranlasst, sich zu nachhaltigen und verantwortlichen Anlagen zu positionieren und mehr Transparenz im Umgang mit dieser Frage walten zu lassen. Letztlich ist das Ziel, das sogenannte „Greenwashing“ zu vermeiden.

Börsennotierte Unternehmen werden dann verpflichtet, über bestimmte ESG-Kriterien wie CO2-Ausstoß, Lohngleichheit etc. Auskunft zu geben.

Es zeichnet sich ab, dass 2022 ein wichtiges Jahr für nachhaltige und verantwortliche Anlagen in Europa wird: Aufgrund der geplanten regulatorischen Änderungen werden Banken das Thema nachhaltige Anlagen mit ihren Kundinnen und Kunden besprechen. Dies wird sicher zu anregenden und spannenden Diskussionen führen. Mit der Regulierung soll auch die Transparenz gegenüber den Anlegenden verbessert werden, so dass sie die nichtfinanziellen Kriterien ihrer Anlagen besser einschätzen können. Politik und Regulierung treiben nachhaltige und verantwortliche Anlagen in Europa also deutlich voran.

* 31.12.2018 bis 29.4.2022, Quelle: Bloomberg


Ihre Ansprechpartnerin

Melanie Mortier
Senior Portfolio Manager
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