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Hören Sie den Podcast über die 1980er Jahre und ihre Wirkung auf die heutige Gesellschaft. Der Podcast wird von der belgischen Wirtschaftshistorikerin Salma Haouach moderiert, ergänzt von Fernand Reiners, Mitglied der Geschäftsführung und Leiter Professional Banking bei der Banque de Luxembourg.

Willkommen bei Résonance, dem Podcast der Banque de Luxembourg. Er wirft einen Blick auf die markanten Ereignisse der vergangenen 100 Jahre und beleuchtet, welche Resonanz sie in der modernen Gesellschaft gefunden haben. Inwieweit können uns die Ereignisse von gestern helfen, den Herausforderungen der Finanzwelt von morgen zu begegnen?

 

Unser sechsteiliger Podcast zeigt, welche großen – auch positiven – Entwicklungen sich aus den Krisen der Vergangenheit ergeben haben.

 

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Heute sind fast 15.000 Fonds und Teilfonds mit einem Volumen von insgesamt etwa 4.400 Milliarden Euro im Großherzogtum domiziliert. Fernand Reiners, Leiter Professional Banking

Zusammenfassung

In den 1980er Jahren hörte man Modern Talking und a-ha und tanzte zu Michael Jacksons „Thriller“. Gleichzeitig spielte sich auch in der Wirtschaft ein Thriller ab. Dieses Jahrzehnt hat das Wirtschaftsleben, wie wir es heute kennen, durch und durch verändert. Nach dem Ende der 1970er Jahre, die zutiefst keynesianisch und viel weniger glanzvoll waren als die 30 Jahre zuvor, haben vor allem zwei politische Ereignisse den Lauf der Geschichte geprägt: In den USA wird Ronald Reagan Präsident, in Großbritannien Margaret Thatcher Premierministerin. Die Wirtschaftspolitik der beiden Politiker ist von einer neoliberalen Lehre geprägt, die zu dieser Zeit hoch im Kurs steht: der Chicagoer Schule.

Benannt ist sie nach den so genannten Chicago Boys, einer Gruppe einflussreicher Wirtschaftswissenschaftler um den berühmten Milton Friedman. Dieser hatte schon 1970 gegenüber dem New York Times Magazine erklärt: „Die gesellschaftliche Verantwortung eines Unternehmens ist es, seinen Profit zu steigern.“

Die Marschroute ist gesetzt: Wenn das Unternehmen Gewinn macht, schafft es Ertrag für das gesamte wirtschaftliche Ökosystem. Hier klingt nicht zuletzt die berühmten Trickle-down-Theorie an.

Sie revolutioniert ebenfalls das wirtschaftliche Denken: Ihr zufolge ist der Markt stärker als alles andere und reguliert sich von ganz allein. Damit ist implizit gemeint: Der Markt ist stärker als der Staat, der zu eben diesem Zeitpunkt offenbar an seiner Aufgabe, die Wirtschaft zu retten, gescheitert ist. Der Politik bleibt nur noch der Rückzug aus der Wirtschaft. Von Wirtschaftswissenschaftlern hört man in dieser Zeit immer wieder den Satz: „Nobody can beat the market.“

Der Philosoph Michel Foucault nennt dieses Konzept „Gouvernementalität“. Dahinter steht der Gedanke, dass sich das soziale Milieu durch den Markt und den Wettbewerb gestalten lässt. Man fühlt sich dabei an den Nationalökonomen Adam Smith erinnert: Ihm zufolge verhält sich jedes Individuum naturgemäß so, dass es den eigenen Interessen dient. Daher, so Smith, seien Handlungsvorgaben nicht erforderlich. Wir finden auch hier den Gedanken, dass die Freiheit über allem steht: Wenn man eine Wirtschaft voranbringen will, genügt es, den Dingen ihren Lauf zu lassen.

Der Neoliberalismus der 1980er Jahre führt naturgemäß zum Aufschwung von renommierten Finanzplätzen, denn plötzlich bieten die Finanzmärkte die besten Möglichkeiten, um sich zu finanzieren – und auch um reich zu werden. Privatisierung und Deregulierung ergänzen sich und führen sehr schnell zu einer unglaublichen Zahl an Finanzprodukten. Alles scheint möglich – auch das Unmögliche...

Nicht alle Länder teilen jedoch diese Auffassung. In Deutschland z. B. ist die Lehrmeinung ungleich strenger: Hier spricht man bis heute vom Ordoliberalismus. Dem Konzept begegnen wir bis heute, vor allem im Zusammenhang mit der „Schwarzen Null“, d. h. der Haushaltsführung, die die Aufnahme neuer Schulden ablehnt. Die Unabhängigkeit der Zentralbank und der Monetarismus, d. h. die Steuerung der Geldmenge, sind hier heilig. Wirtschaft und Geldpolitik werden streng voneinander getrennt, was eine große Besonderheit bleibt.

In Frankreich hingegen hält man am Sozialstaat fest, und die Politik versucht, gesellschaftliche Ungleichheiten durch Besteuerung und Umverteilung auszugleichen.

Die Europäische Kommission wählt einen Mittelweg: Um den allgemeinen Wohlstand zu fördern und die Finanzmärkte mit ihrer Dynamik möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen, schafft sie ein neues europäisches Sparprodukt: die OGAW.

 

 Luxemburg nutzt die neuen Möglichkeiten und macht das Investmentfondsgeschäft zu einem Pfeiler des Finanzplatzes. Wir sprechen mit Fernand Reiners, Leiter Professional Banking.

„Wie es dazu kam, dass sich die Fondsbranche ab den 1980er Jahren in Luxemburg entwickeln konnte? Ich denke, die Fondsindustrie ist zunächst einmal exemplarisch für die Entwicklung des Finanzplatzes in diesen Jahren.

Zu Beginn der 1980er Jahre waren in Luxemburg exakt 75 Investmentfonds domiziliert. Heute sind es fast 15.000 Fonds und Teilfonds, mit einem Volumen von insgesamt etwa 4.400 Milliarden Euro.

Der Grundstein für diesen Erfolg wurde in eben diesen 1980er Jahren gelegt. 1988 ist es Luxemburg als erstem europäischen Land gelungen, die Europäische Investmentfonds-Richtlinie OGAW I in nationales Recht umzusetzen. Heute sind wir schon bei OGAW V angelangt.

Dadurch, dass wir unseren Fokus von Anfang an nicht auf den – quasi nicht vorhandenen – heimischen Markt, sondern auf den internationalen Vertrieb gelegt haben, hatten wir bereits Ende der 1980er Jahre einen soliden Wettbewerbsvorsprung.

Heute sind die gesetzlichen Unterschiede sicher geringer als damals, aber Luxemburg konnte sich seine Wettbewerbsvorteile erhalten – vor allem, weil sich in der Zwischenzeit ein hervorragendes Umfeld von Investmentfonds-Expertise herausgebildet hat, mit Depotbanken, Zentralverwaltungen, Anwälten, Wirtschaftsprüfern etc., die alle hochspezialisiert sind. Ich denke, dass dies weltweit ziemlich einmalig ist.“

Wir sehen also, wie stark das unternehmerische Ökosystem, in dem wir uns bewegen, auf die Finanzwelt wirken kann. 

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