Evergreen-Fonds und geschlossene Fonds: ein Ansatz zur Ergänzung Ihrer Geldanlage
Je mehr private Anlegerinnen und Anleger außerhalb der klassischen Börsen investieren, desto wichtiger wird die Strukturierung dieser Anlagen. In diesem Zusammenhang erfüllen Evergreen- und geschlossene Fonds unterschiedliche Funktionen beim Aufbau von diversifizierten und effizienten Private-Equity-Portfolios. Dabei spielen Privatbanken eine Schlüsselrolle in der Beratung und Aufklärung ihrer Kundinnen und Kunden.
Dieser Artikel ist erschienen im „Grand Dossier“ Fonds von Paperjam im April 2026.
Anlagen in Private Equity waren lange Zeit institutionellen Anlegern vorbehalten. Obwohl Privatanlegerinnen und -anleger etwa die Hälfte des weltweiten Vermögens besitzen, machen sie noch immer nur einen geringen Anteil des Kapitals aus, das an diesen Privatmärkten investiert ist. Daher bietet sich im Bereich der Vermögensverwaltung eine große Chance für Anlageverwaltungsgesellschaften, die sich auf Private Equity, Private Debt, Infrastruktur- und Immobilienanlagen spezialisiert haben.
Diese Entwicklung hat bereits begonnen. In den letzten zehn Jahren führten regulatorische Entwicklungen und Produktinnovationen zu einer deutlich stärkeren Öffnung der Privatmärkte für vermögende Privatanleger. Privatbanken und Vermögensverwalter bieten mittlerweile immer mehr unterschiedliche Strukturen an. Mit diesem besseren Zugang wird die Anlageverwaltung allerdings immer komplexer.
Viele vermögende Privatanlegerinnen und -anleger fragen sich nicht mehr, ob sie in Privatmärkte investieren sollen, sondern wie sie diese Anlagen effizient strukturieren können. Jérôme Zahnen, Head of Private Equity Offering
In der Vergangenheit war ein Zugang zu den Privatmärkten hauptsächlich über geschlossene Fonds möglich. Diese Strukturen sind gut auf die illiquiden Einzelwerte abgestimmt: Das Kapital wird schrittweise abgerufen und dann im Zuge von Verkäufen der Portfoliounternehmen wieder zurückgezahlt. Daher erstreckt sich der Lebenszyklus der Fonds häufig über einen Zeitraum von 10 bis 15 Jahren. Für institutionelle Anleger sind solche Strukturen gut geeignet: Sie besitzen das erforderliche Know-how, die notwendigen Ressourcen und die kritische Größe, um diversifizierte Portfolios von geschlossenen Fonds zu verwalten und eine langfristig stabile Asset Allocation aufrechtzuerhalten. Für Privatanleger können Aufbau und Verwaltung solcher Portfolios hingegen eine durchaus größere Herausforderung darstellen. Das Kapital wird schrittweise eingesetzt, die Asset Allocation verändert sich je nach Verkauf; um einen konstanten Private-Equity-Anteil zu halten, müssen die Kapitalverpflichtungen sorgfältig geplant und ständig überwacht werden.
Als Antwort auf diese Herausforderungen verzeichneten Evergreen-Fonds, die oft als semi-liquide (oder semi-illiquide) Private-Equity-Fonds gelten, in den letzten Jahren einen beträchtlichen Aufschwung. Diese Strukturen ermöglichen regelmäßige Zeichnungen, sofortigen Zugang zu einem diversifizierten Portfolio und begrenzte Liquiditätsmechanismen, die generell auf etwa 3–5 % des Nettoinventarwerts pro Quartal beschränkt sind. Für viele Anlegerinnen und Anleger bieten sie eine Einstiegschance, die den Zugang zu den Privatmärkten erleichtern. Mit Evergreen-Fonds kann man sein Kapital sofort einsetzen und verringert dabei die operative Komplexität, die viele Beteiligungen an geschlossenen Fonds mit sich bringen. Wichtig bleibt: Evergreen-Fonds sind grundsätzlich immer illiquide Investments. Das bedeutet, die Liquidität ist begrenzt und kann in angespannten Marktphasen, wenn der Schutz des Portfolios und der weiterhin investierten Anlegerinnen und Anleger höchste Priorität hat, ganz ausgesetzt werden. In der Praxis sollte man Evergreen-Fonds somit als Teil der illiquiden Anlagen eines Portfolios betrachten. Dieser Punkt ist entscheidend, denn hier tragen Privatbanken als Fondsanbieter eine besondere Verantwortung für die Aufklärung ihrer Kundinnen und Kunden und den Schutz vor unangemessenen Vertriebspraktiken.
Auch Überlegungen zur Performance spielen eine wichtige Rolle. Da Evergreen-Fonds Liquiditätsreserven und kontinuierliche Kapitalströme verwalten müssen, kann ihre Wertentwicklung leicht unter geschlossenen Fonds notieren, die nicht an einen renditeschwachen Liquiditätseinsatz gebunden sind. Zudem weisen Evergreen-Fonds eine gewisse operative Komplexität auf, da sie einen kontinuierlichen Deal Flow, strenge Bewertungsrahmen sowie ein solides Liquiditätsmanagement erfordern. Nicht alle an den Privatmärkten tätigen Verwaltungsgesellschaften verfügen zwangsläufig über die erforderliche Infrastruktur oder Erfahrung, um diese Strukturen effizient verwalten zu können. Anlegerinnen und Anleger sollten daher besonders darauf achten, dass ihre Interessen mit denen institutioneller Anleger übereinstimmen und dass ein gerechter Zugang zu Anlagechancen gewährleistet ist. Wie im herkömmlichen Private-Equity-Bereich bleibt die Auswahl der Verwaltungsgesellschaften entscheidend.
Mit Blick auf diese Merkmale erfüllen Evergreen- und geschlossene Fonds in einem Private-Equity-Portfolio unterschiedliche Funktionen. Evergreen-Fonds können den Kern einer Asset Allocation an Privatmärkten bilden. Sie ermöglichen Anlegerinnen und Anlegern relativ schnell den Aufbau einer diversifizierten Position und einen sofortigen Kapitaleinsatz. Dabei werden sie von einer Verwaltungsgesellschaft unterstützt, damit Ausschüttungen dauerhaft wieder anlegt werden. Für Anlegerinnen und Anleger, die schrittweise und gleichmäßig an den Privatmärkten investieren möchten, bietet diese Struktur eine effektive Investitionsgrundlage.
Umgekehrt eignen sich geschlossene Fonds besonders gut als Satelliten-Komponente des Portfolios. Sie eröffnen den Zugang zu einem breiteren Anlageuniversum sowie zu spezialisierten Strategien, bei denen führende Vermögensverwalter ein attraktives Alpha erzielen können. Dazu gehören auf bestimmte Sektoren fokussierte Strategien, insbesondere in den Bereichen Technologie und Übernahmen von Small und Mid Caps oder auch in Nischensegmenten wie Private Debt und Infrastruktur. Diese Fonds sind in der Regel über die gesamte Laufzeit voll investiert und müssen, anders als Evergreen-Strukturen, keine Liquiditätsreserven vorhalten. Daher bieten sie potenziell höhere langfristige Renditeerwartungen.
Bei geschlossenen wie auch bei offenen Fonds bleibt die Auswahl der Verwaltungsgesellschaften einer der wichtigsten Faktoren für die langfristige Performance.
Für Anlegerinnen und Anleger mit einer relativ moderaten Asset Allocation an den Privatmärkten sind Evergreen-Fonds möglicherweise die pragmatischste Lösung, denn der Aufbau eines diversifizierten Portfolios, das ausschließlich aus geschlossenen Fonds besteht, ist eventuell komplex. Andererseits können sehr vermögende Anleger, die bereits gut etablierte Portfolios an den Privatmärkten halten, weiterhin den Fokus auf geschlossene Fonds setzen. Für die meisten Anlegerinnen und Anleger dürfte es allerdings sinnvoll sein, beide Ansätze zu kombinieren.
Privatmärkte bieten unbestreitbare Vorteile, insbesondere bei Diversifizierung, Zugang zu strukturellen Wachstumschancen und langfristig attraktiven Renditeaussichten. Dabei ergänzen sie die herkömmlichen Anlageklassen Aktien und Anleihen. Gleichzeitig bleiben sie jedoch komplexe und von Natur aus illiquide Anlageformen. Je stärker der Zugang zu diesen Märkten geöffnet wird, desto mehr gewinnt die Rolle erfahrener Investitionspartner an Bedeutung. Für private Anlegerinnen und Anleger besteht der Erfolg an den Privatmärkten nicht nur im reinen Zugang. Es geht vielmehr darum, die Anlagen bewusst zu strukturieren und die richtigen Partner zu finden, die sie angesichts dieser komplex aufgebauten Investments begleiten können. Bei der Banque de Luxembourg wurde vor über zehn Jahren ein Team geschaffen, das auf Private Equity spezialisiert ist. Im Laufe der Jahre baute dieses Team ein umfassendes Know-how auf und knüpfte solide Partnerschaften mit führenden Verwaltungsgesellschaften, sodass wir unseren Kundinnen und Kunden einen Zugang zu sorgfältig ausgewählten Anlagechancen bieten können.