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Anfang 2023 war die Sorge über eine Konjunkturabkühlung bei den Anlegerinnen und Anlegern groß. Doch bislang konnte sich die globale Wirtschaft gut behaupten.

Die Wirtschaft in den USA und Japan verzeichnete im zweiten Jahresviertel ein Quartalswachstum von 2,1 % bzw. 4,8 % annualisiert. Die Eurozone konnte trotz einer neu auftretenden Schwäche in Deutschland vorerst eine Rezession vermeiden, was eine positive Überraschung darstellte. China, das in einer schwerwiegenden Immobilienkrise feststeckt, muss erneut eine Verschlechterung seiner Wachstumsprognosen verbuchen. Bislang weigert sich die Regierung, ein umfangreiches Konjunkturprogramm in Angriff zu nehmen. Allerdings sind die Auswirkungen eines Aufschwungs durch Verschuldung immer weniger greifbar.

Selbst wenn die Risiken hoher Zinsen und der geopolitischen Lage bestehen bleiben, dürfen wir die Tatsache nicht übersehen, dass eine deutliche Straffung der Geld- und Zinspolitik sowie die Normalisierung der Lieferketten den Inflationsdruck verringern. Da die Arbeitsmärkte noch ausreichend robust sind, wird eine sogenannte sanfte Landung der Weltwirtschaft immer wahrscheinlicher. Denn die gute Verfassung der Arbeitsmärkte stützt das verfügbare Einkommen der Privathaushalte und stärkt das Verbrauchervertrauen.

Die vom Hype um die künstliche Intelligenz beflügelten globalen Aktienmärkte haben diese positiven gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen offensichtlich bereits gut eingepreist – der Weltaktienindex stieg seit Jahresbeginn um fast 13 % in Euro. Diese hervorragende Performance wirft allerdings die Frage auf, ob diese Gewinne von Dauer sein werden.

Unserer Meinung nach geht die größte Gefahr für die Finanzmärkte derzeit von einem übertriebenen Optimismus aus.

Schwachstellen bleiben

Wir bezweifeln, dass der KI-Hype, der die Märkte zu Jahresbeginn ergriffen hat, dauerhaft bestehen wird: Die Bewertungskennzahlen dieser Unternehmen sind sehr stark gestiegen; bis auf wenige Ausnahmen (vor allem NVIDIA) sind die Auswirkungen auf die Rentabilität jedoch erst ein Wunschtraum. Abgesehen von der Bewertung treten auch andere Zeichen auf, die eine gewisse Müdigkeit der Anlegerinnen und Anleger anzudeuten scheinen. Die außergewöhnlichen Ergebnisse des NVIDIA-Konzerns, dessen Aktienkurs sich in diesem Jahr mehr als verdreifacht hat, konnten keine neuerliche Kursexplosion auslösen. Der technologielastige Nasdaq Composite sank im August um 2,1 % und verbuchte damit seinen schlechtesten Monat seit Ende letzten Jahres.

Zudem scheinen die Märkte derzeit die Möglichkeit weiterer Zinsanhebungen (vor allem in den USA) auszuschließen. Dennoch verlangsamt sich der Inflationsrückgang im zweiten Halbjahr schrittweise, da die Vergleichswerte im zweiten Halbjahr weniger günstig werden. In den USA stieg die Inflationsrate von 3,0 % im Juni auf 3,2 % im Juli; in der Eurozone blieb sie im August unverändert bei 5,3 %. Für die Fed-Sitzung am 20. September erwarten die Märkte allerdings, dass die US-Notenbank ihre Leitzinsen unverändert auf ihrem Höchststand seit 22 Jahren belassen wird.

Risikoprämien auf Aktien gehen zurück

Fed-Präsident Jerome Powell gab jedoch zu bedenken, dass die US-Notenbank einen neuerlichen Zinsschritt im weiteren Verlauf des Jahres in Erwägung ziehe, falls sich die Konjunktur nicht ausreichend verlangsame und damit die Inflation nach unten drücke. EZB-Chefin Christine Lagarde betonte beim Notenbank-Treffen in Jackson Hole ebenfalls, dass die Zinsen deutlich höher bleiben könnten als vor der Pandemie. Auch wenn sich dieses Jahr als Ausnahme erwiesen hat, schaden höhere Zinsen im Allgemeinen risikoreichen Anlagen wie Aktien, weil sie Anlegerinnen und Anlegern sicherere Anlagealternativen bieten. Zurzeit notiert die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen höher als 4,2 % – dieses Niveau war seit der großen Finanzkrise von 2008/2009 nicht mehr erreicht worden. So haben sich die Risikoprämien auf Aktien erheblich verengt, wodurch die relative Attraktivität von Aktien gegenüber US-Anleihen sinkt.

Chinesisches Wachstum in Gefahr

Die größte Enttäuschung dieses Jahr kommt vermutlich aus China. Daher ist es wichtig, die mit seiner Immobilien- und Finanzbranche verbundenen Risiken zu erkennen. Denn die Krise der Immobilienbranche nimmt offenbar kein Ende, da weitere Immobilienpromoter in finanzielle Schieflage geraten. Die stark rückläufigen Verkaufszahlen bei Wohnimmobilien sowie die Liquiditätskrise von Country Garden, einer der größten Immobiliengesellschaften des Landes, könnte sich auf weitere Branchen ausbreiten und Ansteckungsrisiken zur Folge haben.

Diversifizierung zur Risikominderung

Fazit: Wir beobachten einen übermäßigen Optimismus an den Märkten. In diesem Zusammenhang ist ein sehr breit gestreutes Portfolio, das in Aktien hochwertiger Unternehmen sowie in Anleihen mit geringem Kreditrisiko investiert ist, unserer Einschätzung nach notwendiger denn je.

Michael Barclay
Senior Investment Advisor