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Obwohl sich die Finanzmärkte historischen Rekordmarken nähern, sieht Guy Wagner, Managing Director von BLI - Banque de Luxembourg Investments, positive Perspektiven für Unternehmen, die das langfristige Vertrauen der Anleger genießen.

Hören Sie den gesamten Podcast (in französischer Sprache).

Herr Wagner, das Jahr 2021 ist nun schon zur Hälfte vorüber. Für die Weltwirtschaft stehen die Zeichen zu Beginn des dritten Quartals weiterhin sehr günstig. Ein Grund zur Freude, oder?

Eigentlich ja. Wachstum ist das, was alle haben wollen. Die Entwicklung verlief 2020 aus den bekannten Gründen negativ. Dieses Jahr findet das erwartete Wachstum nun offenbar statt. Das ist an sich erfreulich. 

Getragen wird der Konjunkturaufschwung nicht zuletzt von den historisch niedrigen Zinsen, denn sie bieten den Staaten die Möglichkeit, sich zu verschulden, ohne viel für diese Schulden zahlen zu müssen. Werden die Zinsen noch lange so niedrig bleiben? 

Ein Zinserhöhungsszenario ist vorerst eher nicht zu erwarten. Die kurzfristigen Zinsen werden von den Zentralbanken festgesetzt, und diese haben bereits mehr oder weniger deutlich signalisiert, dass sie in der nächsten Zeit keine Zinserhöhungen vornehmen werden. Die langfristigen Zinsen wiederum werden im Prinzip von den Rentenmärkten kontrolliert. Aber auch sie werden immer stärker von den Notenbanken beeinflusst, und auch hier hat man nicht den Eindruck, dass ein Aufwärtsdruck besteht. An der Zinsfront bleibt es also ruhig. 

Auch an den Finanzmärkten stehen die Zeichen günstig, und in manchen Regionen nähern sich die Märkte ihren historischen Rekordmarken an. Heißt das auch, dass zwangsläufig eine Trendumkehr unmittelbar bevorsteht?

Nicht unbedingt. Der Trend kehrt sich nicht automatisch um, nur weil die Märkte auf historischen Höchstständen liegen. Die Börsen profitieren zurzeit von einem nahezu idealen Umfeld: Die Konjunktur erholt sich, das Wachstum nimmt an Fahrt auf – und gleichzeitig bleiben die Zinsen niedrig. Der einzige Grund, der eine Trendumkehr bewirken würde, wäre ein Wachstum, das weniger stark als erwartet ausfällt – oder unerwartet frühe Zinserhöhungen. 

Wie wahrscheinlich sind diese beiden Szenarien? 

Zinserhöhungen stehen, wie bereits ausgeführt, derzeit offensichtlich nicht auf der Agenda. Was das Wachstum betrifft, so gibt es immer noch die Angst vor einer weiteren Infektionswelle durch neue Virusvarianten, die dazu führen würde, dass die Wirtschaft erneut herunterfährt. 

Die Anleger blicken auch auf die Inflation, die in der jüngeren Vergangenheit eher steigt. Sollte man sich angesichts der Inflation Sorgen machen? 

Das ist derzeit die große Diskussion: Stehen wir am Anfang einer neuen Teuerungsspirale mit dauerhaft höheren Inflationsraten? Oder ist der Anstieg nur vorübergehend? Die Federal Reserve scheint von letzterem überzeugt. Die Inflationsrate in den USA liegt derzeit bei über 5 %, aber die Fed geht davon aus, dass der Teuerungsdruck wieder nachlassen wird. Andererseits erwarten viele Beobachter, dass sich die Inflationsraten dauerhaft auf einem höheren Niveau einpendeln werden. Es spricht manches dafür, dass dies so sein wird. 

Welche Perspektiven sehen Sie für die Finanzmärkte im zweiten Halbjahr? Angesichts der Umstände sind die Aussichten doch eher günstig, oder? 

Im Prinzip ja. Allerdings sind viele gute Nachrichten bereits in den Kursen berücksichtigt. Die Märkte liegen nahe ihren historischen Höchstständen, und das Bewertungsniveau ist ebenfalls hoch. Es besteht daher immer noch das Risiko, dass die eine oder andere Nachricht die Märkte beunruhigt und zu gewissen Korrekturen führt – was an sich übrigens eine gesunde Entwicklung wäre. 

Welche Anlageklassen halten Sie derzeit für besonders attraktiv? 

Wir konzentrieren uns weiterhin auf Aktien von Qualitätsunternehmen, die mit Wettbewerbsvorteilen punkten können und noch nicht überzogen hoch bewertet werden. Aus diesem Grund ist die Debatte, ob sogenannte Value-Aktien besser sind als Wachstumsaktien, unserer Ansicht nach etwas müßig. Mit Value-Aktien sind in der Regel Rohstoff-Unternehmen, zyklische Unternehmen oder Finanzwerte gemeint. In all diese Branchen investieren wir prinzipiell nicht. Uns geht es eher darum, dass wir mit dem Kauf einer Aktie eine Beteiligung an dem entsprechenden Unternehmen übernehmen. Wir müssen also langfristig denken und die richtigen Unternehmen auswählen, in die wir langfristig Vertrauen haben. 

Und wie sieht es mit Anleihen aus? 

Zurzeit ist diese Anlageform fast der sicherste Weg, um Geld zu verlieren – vor allem, wenn man in hochwertige Papiere wie Staatsanleihen investiert. Entweder die Renditen steigen – dann verliert man durch fallende Anleihekurse. Oder die Renditen steigen nicht, aber die Inflation nimmt möglicherweise zu – dann wird die Kaufkraft dieser Anleihen durch die Inflation aufgezehrt.

Was ist mit Gold, dessen Kurs in der letzten Zeit arg gebeutelt wurde? 

Für uns ist Gold weiterhin eine Anlage, die in einem ausgewogenen Portfolio ihren Platz hat. Historisch ist Gold stark mit den Zinsen korreliert – vor allem den realen, d. h. inflationsbereinigten Zinsen. Die realen Zinsen sind derzeit negativ und werden es noch eine Weile bleiben. Für den Goldpreis ist das gut. Und dann ist da noch das Verhältnis von Angebot und Nachfrage: Goldminen-Unternehmen haben in den vergangenen Jahren sehr wenig in die Erschließung von neuen Vorkommen investiert. Das Angebot sollte also in der näheren Zukunft nicht zunehmen, was ebenfalls positiv für das Gold ist.

 

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