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Über Geld reden: ein sensibles und komplexes Thema
Bei der Übertragung eines Vermögens geht es oft um viel mehr als die nackten Zahlen. Zur Sprache kommen auch die Geschichte, die Werte, die Rolle und die gemeinsame Zukunft einer Familie. Wir sprechen mit Anne Goedert, Beraterin für vermögende Privatkunden. Sie begleitet Familien und Unternehmerinnen und Unternehmer dabei, ihr Vermögen zu sichern und gleichzeitig die Harmonie in der Familie zu erhalten.
Was ist die Family Practice?
Unsere Begleitung ist konzipiert als maßgeschneiderte Unterstützung für Familien in Phasen, in denen ihr Vermögen in Bewegung ist. In meiner Rolle als Moderatorin helfe ich unseren Kundinnen und Kunden bei strukturgebenden Entscheidungen. Wir erstellen beispielsweise einen Plan für die fließende Übertragung eines Gesamtvermögens oder eines Unternehmens, eine Family Governance, Fairnesskriterien oder ein philanthropisches Projekt.
Zunächst unterstützen wir die Familie dabei, etwas Abstand von ihrem Übertragungsprojekt, ihren Zielen und ihrem „Familiensystem“ zu gewinnen. Danach schlagen wir ein Gespräch mit allen an diesem Projekt beteiligten Personen vor, also nicht nur der Generation, die aktuell das Sagen hat (Present Gen), sondern auch der Nachfolgegeneration (Next Gen).
Wir laden sie ein, sich an einen Tisch zu setzen, sodass jede Person ihre Wünsche, Erwartungen und Befürchtungen äußern und die aller anderen anhören kann. Die Sichtweise kann sich zwischen den einzelnen Familienmitgliedern stark unterscheiden. Auf dieser Grundlage begleiten wir die Familie dann dabei, die bestmögliche Lösung zu finden, um sicherzustellen, dass die Weitergabe sowohl zur Familie als auch zum oft über mehrere Generationen aufgebauten Vermögen passt.
Wie sieht ein erstes Gespräch mit Ihnen aus?
Die ersten Termine sind zwanglose Gespräche, bei denen alle Beteiligten ihre Überlegungen, Wünsche und Zweifel offen ansprechen können. Anschließend klären wir, was gewünscht wird, ermitteln die Konfliktthemen und legen gemeinsam eine Roadmap für ein gemeinsames Ziel der Familie fest, die die Interessen sämtlicher Familienmitglieder einbezieht. Geht es auch um ein Unternehmen, ist das betriebliche Interesse der Dreh- und Angelpunkt. Bei sensiblen Familienverhältnissen strukturieren wir den Dialog entsprechend. Unsere Begleitung geht bis zur praktischen Umsetzung der vereinbarten Schritte, manchmal bis zur Ausarbeitung einer Familiencharta. Bei Bedarf empfehlen wir der Familie unsere Schulungen und Workshops.
Ich versuche, das Gespräch mit einem gemeinsamen Fazit und ersten konkreten Schritten zu beenden: Wer soll in diese Planung einbezogen werden? In welchem Rahmen? Wie häufig?
Welche sensiblen Punkte sind Ihnen bei ihren Treffen mit den Familien aufgefallen?
Ich denke dabei an ein Gefühl des Kontrollverlusts, wenn Geld oder Status letztlich wichtiger werden als die Entscheidungen der Person selbst. Erkennbar wird dieses Gefühl an einer gewissen Scheu, über Fairness zu reden, an der Furcht, den Weg der Kinder vorherzubestimmen und der Versuchung, Spenden zu instrumentalisieren. Um mit diesem Gefühl umzugehen, muss man Erwartungen aussprechen und die Ebenen voneinander trennen: Was gehört zum Vermögen oder zu einem Unternehmen (Fortbestand, Unternehmensführung), was zur Familie (Werte, Fairness) und was zu den Gesprächsregeln innerhalb der Familie (wer redet mit wem, wann und wie).
Bieten Sie eine Begleitung zur Übertragung von Unternehmen an? Wenn ja, was sind ihre wichtigsten Erkenntnisse daraus?
Eine Übertragung ist eher ein Prozess als ein Ereignis. Erfolgreiche Übertragungen haben drei gemeinsame Konstanten:
- Antizipation (früh beginnen, erklären)
- Deutlicher Rahmen (Rollen, Regeln, Kriterien für Fairness)
- Realistischer Zeitplan (festgelegte Etappen, regelmäßige Überprüfungen)
In diesen Prozess wird die Nachfolgegeneration einbezogen. In unseren Programmen für die Next Gen bereiten wir den Nachwuchs schrittweise und strukturiert vor, ohne die Richtung vorherzubestimmen. Ganz konkret kombiniert das Konzept persönliche Entwicklung, praktische Erfahrungen, Erfahrungsberichte von Familienunternehmern und Austausch unter Gleichaltrigen. Unsere Begleitung umfasst auch die Definition von Zugangsvoraussetzungen für das Unternehmen, die Erarbeitung eines Einarbeitungsprozesses und den regelmäßigen Erfahrungsaustausch zwischen den einzelnen Generationen. Entscheidend ist die Qualität des Dialogs: In einem vertrauensvollen Rahmen, mit einer gemeinsamen Sprache, mit Informationsaustauch und präzisen Protokollen schaffen wir eine Atmosphäre, in der die Familie Ungesagtes zur Sprache bringen kann.
Schlussendlich geht es darum, Pläne und verfügbare Mechanismen in Einklang zu bringen: Gesellschafterverträge, Einrichtung von Leitungsorganen, Abtretungen oder Schenkungen sind nur dann sinnvoll, wenn sie dem Familienprojekt und dem Fortbestand des Unternehmens dienen. Mit einem klaren Zeitplan und einer zurückhaltenden Lenkung werden die Spannungen abgebaut, sobald die Strukturen klarer werden. Die Entscheidung bringt allen Beteiligten eine gewisse Gelassenheit, auch über die Familie hinaus, und gibt Handlungsfreiheit zurück. Durch gute Organisation der Übertragungsphasen wird die Harmonie in der Familie bewahrt.
Mit einem klaren Zeitplan und einer zurückhaltenden Lenkung werden die Spannungen abgebaut, sobald die Strukturen klarer werden. Die Entscheidung bringt allen Beteiligten eine gewisse Gelassenheit, auch über die Familie hinaus, und gibt Handlungsfreiheit zurück.
Wann wird die Philanthropie zu einem nützlichen Hebel?
Wenn sie klärt, für welchen Zweck das Geld eingesetzt wird, und die Menschen um ein gemeinsames Projekt versammelt. Wir schlagen sie niemals vor, um „Haltung zu zeigen“, sondern nur dann, wenn sie angesichts der Werte und des Lebensentwurfs der jeweiligen Familie sinnvoll ist.
Konkret unterstützen wir die Klärung, für welches Projekt man sich einsetzen möchte, und die Auswahl des Instruments oder der Methode, um dies in die Praxis umzusetzen. Wenn sie gut durchdacht ist, löst Philanthropie manchmal ins Stocken geratene Diskussionen: Man kommt vom rein Finanziellen zum übergeordneten Ziel.
Können Sie uns aus Ihrer Erfahrung ein paar Geschichten erzählen, die Ihren Ansatz veranschaulichen?
In einer Unternehmerfamilie war die Situation aus einem Gefühl der Ungerechtigkeit heraus recht festgefahren. Wir unterstützten bei der Erstellung von Fairnesskriterien und einem Zeitplan für die Übertragungen. Die wiederhergestellte Transparenz befriedete die Beziehungen und sicherte das Unternehmen.
In einem anderen Fall konnte sich ein Geschwisterpaar nicht darüber einigen, wer welchen Platz einnehmen sollte. Wir haben die Übertragung an ein gemeinsames philanthropisches Projekt angelehnt, mit einfacher Governance und jährlichen Prüfterminen: Im Gespräch über den Sinn wurde das Teilen möglich.
In beiden Situationen bildete der Rahmen (Regeln, Rollen, Geschwindigkeit) den Unterschied.
Warum haben Sie an dem Buchprojekt „L‘argent, poison ou trésor“ (Geld: Gift oder Schatz) mitgewirkt und es unterstützt?
Als ich das Buch gelesen habe, bin ich ins Nachdenken gekommen: Geld ist niemals neutral. Je nach Situation und Wortwahl wird es zum Hebel für Möglichkeiten oder verursacht Spannungen.
Zudem habe mich an der Seite von Philippe Depoorter schon lange mit diesen Themen beschäftigt – im Umfeld von Familien mit großen Vermögen, vor allem bei Übertragungen von Unternehmen an die nächste Generation und rund um die sensiblen Themen, die mit Geld und dessen Übertragung verbunden sind. Es schien uns nur natürlich, dass die Banque de Luxembourg dieses Projekt unterstützt und Teil dieses Abenteuers wird.
Das Werk richtet sich an alle Personen, die ihr Verhältnis zu Geld klären und ihre Vermögensentscheidungen in Ruhe treffen möchten.
Entstanden ist das Buch aus einer Zusammenarbeit zwischen Philippe Depoorter, Étienne Eichenberger und Nicole Prieur; es verbindet die Perspektiven der Vermögensgestaltung und der Philanthropie mit psychologischen Aspekten. Es basiert auf vierzehn anonymisierten Gesprächen mit Eigentümern großer Vermögen, deckt wiederkehrende Spannungen auf (Besitz/Verlust, Fairness, symbolische Macht des Geldes) und bietet Anhaltspunkte für einen Dialog (Governance, Übertragung, Philanthropie). Das Buch ist eher eine Einladung als eine Aufforderung: Es hilft, die eigene Beziehung zu Geld zu klären, und leitet Leserinnen und Leser dazu an, ruhige und mit den eigenen Werten im Einklang stehende Entscheidungen zu treffen.
Wo ist das Buch „L‘argent, poison ou trésor“ erhältlich?
Es lässt sich direkt hier durch Eingabe der persönlichen Daten im Formular unten bestellen.
Wir bieten Ihnen eine persönliche Begleitung.
Für ein vertrauliches Gespräch über die Übertragung Ihres Vermögens oder Ihres Unternehmens, die Erstellung einer Familiengovernance oder die Ausarbeitung eines philanthropischen Projekts wenden Sie sich bitte an Anne Goedert, Beraterin für vermögende Privatkunden.