Fachwissen für nachhaltige Investmentfonds
Mehr als die Hälfte der europäischen OGAW-Fonds berücksichtigt heute Nachhaltigkeitskriterien. Dieser grundlegende Wandel wird von Fondsmanagern, Anlegerinnen und Anlegern vorangetrieben und von deren Partnern unterstützt, um verantwortungsvolles Investieren transparenter zu machen.
In den letzten zehn Jahren hat sich die Investmentfondsbranche spürbar verändert: Große Akteure der Finanzbranche haben Nachhaltigkeitskriterien zunehmend in ihre Strategien integriert. „Die Regulierung hat diesen Wandel zwar maßgeblich beeinflusst, eine wichtige Rolle spielte aber auch das Verhalten der Anlegerinnen und Anleger“, so Virginie Loisel.
Die Regulierung durch die SFDR-Verordnung1 führt vor allem zu mehr Transparenz für Anlegerinnen und Anleger. Um deren Erwartungen gerecht zu werden, vor allem wenn sie ihre Anlagestrategie an nachhaltigen Werten ausrichten möchten, haben die Fondsmanager ihr Angebot entsprechend angepasst.
Insgesamt gibt es in Europa derzeit mehr als 11.000 Fonds nach Artikel 8 und rund 1000 Fonds nach Artikel 9, für die strengere Transparenzanforderungen gelten. Sofia Souici, Associate Business Development Manager – Asset Servicing
Eine tiefgreifende Veränderung
„Aktuell sind mehr als die Hälfte der europäischen OGAW-Fonds als Artikel-8-2 oder Artikel-9-Fonds3 laut SFDR-Verordnung eingestuft und machen einen erheblichen Teil des gesamten verwalteten Vermögens aus“, so Sofia Souici.
Artikel-8-Fonds berücksichtigen ESG-Kriterien, Artikel-9-Fonds verfolgen ein ehrgeiziges Nachhaltigkeitsziel in bestimmten Bereichen wie Entwicklung sauberer Energieformen, Dekarbonisierung, Klimaschutz, finanzielle Inklusion, Zugang zu Bildung, Selbstbestimmung von Frauen usw. „Insgesamt gibt es in Europa mehr als 11.000 Fonds nach Artikel 8 und rund 1000 Fonds nach Artikel 9, für die besonders hohe Transparenzanforderungen gelten“, so Sofia Souici. „In Europa beläuft sich das Gesamtvermögen nachhaltiger OGAW auf über 7000 Milliarden Euro – darin zeigt sich die Reife und die Tiefe der ESG-Integration.“
Diese Dynamik hat die gesamte Branche erfasst und beschränkt sich nicht nur auf OGAW-Fonds.
(PwC EU ESG UCITS Poster 2025; ALFI – European Sustainable Investment Funds Study 2024).
Luxemburg: die erste Adresse für nachhaltige Fonds
Luxemburg hat diese Transformation konsequent begleitet. Der Finanzplatz ist heute der führende Domizilstandort in Europa für nachhaltige Fonds: Die Anzahl der Artikel-8-Fonds ist zwischen 2021 und 2024 fast um 100 % gestiegen – inzwischen sind es insgesamt rund 4500, die weiterhin positive Kapitalströme anziehen (EFAMA).
Die Anzahl der Artikel-9-Fonds ist weniger stark gestiegen; 2024 verzeichneten sie sogar Nettoabflüsse – ein Zeichen für größere Zurückhaltung der Anlegerinnen und Anleger gegenüber den so genannten „dunkelgrünen“ Strategien.
Allerdings sind die Anforderungen der SFDR-Verordnung für Fonds nach Artikel 9 besonders streng, vor allem beim Nachweis eines messbaren Nachhaltigkeitsziels und der Angleichung von Daten und Berichterstattung.
Daher haben zahlreiche Fondsmanager einen vorsichtigeren Ansatz gewählt: Mehrere Fonds, die zunächst als Artikel 9 eingestuft waren, wurden im Zuge der Präzisierung der Methoden auf Artikel 8 zurückgenommen. (ALFI – European Sustainable Investment Funds Study 2024).
Die europäische Regulierung bewegt sich inzwischen in Richtung einer Vereinfachung des Rahmens. Derzeit läuft die Überprüfung der SFDR-Richtlinie. Sie enthält eine Aufforderung zur Stellungnahme, die darauf abzielt, zentrale Konzepte zu klären, die Komplexität zu verringern und administrative Belastungen zu reduzieren. Am 20. November 2025 veröffentlichte die Kommission einen Vorschlag und gab anschließend im Januar 2026 die Mitglieder des dritten Mandats der „Plattform für ein nachhaltiges Finanzwesen“ bekannt. Ziel dieser Plattform ist die Überarbeitung und Vereinfachung der Taxonomiekriterien und die Entwicklung neuer Kriterien für andere Wirtschaftsaktivitäten. Zudem sollen die Rückmeldungen der Interessenträger zu bestehenden Instrumenten und Regeln gesammelt und verwendet werden und man möchte die Kommission zu Themen im Zusammenhang mit der EU-Taxonomie und dem Rahmen für nachhaltige Finanzen im Allgemeinen beraten.
Dass sich Luxemburg als führender Fondsstandort etabliert hat, ist nicht zuletzt auf die Entwicklung von Fachwissen und eines Ökosystems aus Branchenakteuren zurückzuführen, die diesen Wandel unterstützen können. Dies gilt für klassische liquide Fonds wie auch für Fonds, die in illiquide Vermögenswerte investieren und deren Investitionsrahmen und operative Modelle sich unterscheiden.
Umfangreiche Expertise
Banque de Luxembourg – Asset Servicing ist als Depotbank nicht nur im Bereich nachhaltige Finanzen tätig und hat sich in diesen Fragen eine solide Kompetenz erarbeitet.
„Bei unserer Tätigkeit als Depotbank überwachen wir rund 480 Teilfonds, davon 125 nach Artikel 8 und 30 nach Artikel 9 (deren Gesamtvermögen beträgt rund 6 Milliarden Euro)“, so Sofia Souici.
So müssen bei bestimmten Mikrofinanzfonds, die in Schwellenländern aktiv sind, oft größere Transaktionsvolumina abgewickelt werden. Virginie Loisel, Head of Funds & Institutional Clients Relationship Management –Asset Servicing
Maßgeschneiderte Konzepte
Die Verwaltung eines Anlagevehikels nach Artikel 9 erfolgt auf mehreren Ebenen und nach besonderen Vorgaben. „Bei einigen in Schwellenländern tätigen Mikrofinanzfonds müssen zum Beispiel oft größere Transaktionsvolumina abgewickelt werden“, erläutert Virginie Loisel. „Die Begleitung dieser Fonds erfordert eine hohe Reaktivität und hoch spezialisierte Teams. Sie müssen den lokalen Kontext verstehen, in dem unsere Kundinnen und Kunden tätig sind. Im Laufe der Zeit haben wir unsere internen Ressourcen kontinuierlich verstärkt und unsere Expertise in Bezug auf Märkte, Anlageklassen und bestimmte Anlagestrukturen ausgebaut.“
Infrastruktur, die sich an nachhaltige Entwicklungen anpasst
Neben klassischen Verwahrdienstleistungen haben wir unser Angebot um zusätzliche Lösungen erweitert. Ein Beispiel sind die „Technical Assistance Facilities“, die auf den spezifischen Bedarf mehrerer Impact-Fonds vor allem bei der Verwaltung von Spenden eingehen.
Mit dieser Infrastruktur und dieser Expertise können wir unsere Kunden in einem regulatorischen Umfeld begleiten, das sich ständig weiterentwickelt, und sie dabei unterstützen, die zahlreichen geltenden Vorschriften einzuhalten. „So können wir auch Kunden begleiten, die sich auf den Weg in Richtung Nachhaltigkeit begeben möchten, indem wir sie dabei unterstützen, verantwortungsvolle Anlagemethoden in bestimmten Teilfonds oder Fondsanteilen umzusetzen“, fügt Sofia Souici hinzu.
Seit über 25 Jahren verfolgen wir eine Nachhaltigkeitsstrategie. „Dieses Engagement zeigt sich heute in unserer Zertifizierung als B Corp4, die wir 2023 erhalten haben. Es spiegelt sich darin wider, dass wir in allen Bankbereichen Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte berücksichtigen“, betont Virginie Loisel.
1SFDR: Sustainable Finance Disclosure Regulation/Verordnung über nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten im Finanzdienstleistungssektor
2Artikel 8 Fonds, die ESG-Kriterien fördern
3Artikel 9 Fonds mit einem expliziten Nachhaltigkeitsziel bei Investitionen
4B Corp: Zertifizierte Unternehmen, die sich für eine inklusivere, gerechtere und regenerativere Wirtschaft einsetzen, die Gewinnstreben mit Gemeinwohl verbindet.